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Ägypten – das Bestell-nach-Haus-Schlaraffenland

2010-11-04 08:44 (Kommentare: 0)

Stellen Sie sich vor, sie haben etwas Kopfweh aber leider keine Kopfschmerztabletten mehr im Haus. Zudem ist es schon spät am Abend. Wäre es nicht toll, wenn Sie nun einfach den Telefonhörer in die Hand nehmen und beim Apotheker ein paar Tabletten bestellen könnten? Utopie, meinen Sie? Keineswegs. In Ägypten geht das. Ich könnte sogar nur zwei, drei einzelne Tabletten bestellen anstatt gleich eine ganze Schachtel zu kaufen.

Ägypten ist Bestell-nach-Haus-Schlaraffenland. Egal wo man einkauft, am Ende bekommt man an der Kasse immer eine Visitenkarte des Ladens in die Hand gedrückt. „Wir bringen auch nach Hause“, heißt das.

In Ägypten läuft nichts ohne Lieferdienst. Das musste auch McDonalds feststellen. Als das Unternehmen vor vielen Jahren seine erste Filiale in Ägypten eröffnete, gab es dort natürlich keinen Lieferdienst. Zu einem Schnellimbiss geht man hin, der liefert nicht. Das Unternehmen weigerte sich einen Lieferdienst für seine Burger einzuführen, bis es feststellen musste, dass ein Unternehmen, sei es Restaurant, Café, Supermarkt, Apotheke oder eben Schnellimbiss hier ganz schnell keine Kunden mehr hat, wenn es den Kunden nicht direkt ins Haus beliefert. Mittlerweile gehören die roten Motorroller der Schnellimbisskette genauso ins Straßenbild wie die der etlichen anderen Restaurants. Es heißt, Ägypten sei das einzige Land auf der Welt, in dem McDonalds seine Kunden auch nach Hause beliefert.

Als ich mich kürzlich auf einer Party mit Bekannten über das Phänomen Lieferdienst unterhielt, erzählte eine Ägypterin, dass sie noch nicht mal mehr in allen Geschäften einzeln anruft. „Wenn ich etwas von der Apotheke benötige und auch keine Milch mehr habe, sage ich dem Apotheker, dass sein Boten-Junge noch kurz beim Supermarkt vorbeifahren soll.“ Auf so eine Idee käme ich gar nicht. An manche Dinge kann ich mich auch nach vier Jahren in Kairo nicht gewöhnen. Zur Apotheke marschiere ich zum Beispiel immer persönlich, Tabletten zu bestellen finde ich komisch. Aber an alle anderen Annehmlichkeiten habe ich mich natürlich sofort gewöhnt. Das führt manchmal zu leichten Irritationen, wenn ich zurück nach Deutschland komme. Bei meinem letzten Besuch musste ich das Auto betanken. Ich fuhr zur Tankstelle und saß einige Momente im Auto rum. Mir war klar, dass irgendwas nicht stimmte, aber erst nach einer Weile fiel mir ein, dass in Deutschland ja schon lange keiner mehr kommt, um für mich das Auto vollzutanken.

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